Dokumenten Management und Archivierung GmbH
Dr. Peter Toebak

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Rezension Bestandserhaltung 1997-2001

Ruth Haener: Alles eilt, wenn's brennt. Sicherung von brandgeschädigten Akten: ein Erfahrungsbericht aus dem Staatsarchiv des Kantons Basel-Landschaft (Schweiz)

Der Archivar. Mitteilungsblatt für deutsches Archivwesen, 53 (2000), Heft 4 (November), S. 301 - 304

Rezensent Peter Toebak

Es ist der Autorin gelungen, auf z.T. impressionistische Weise, aber v.a. praxisnah, faktengestützt und fast didaktisch das Vorgehen zur Rettung und Sicherung eines Archiv- und Schriftgutbestands nach einem verübten Brandanschlag zu dokumentieren. Es handelte sich um einmalige Dokumente der Fremdenpolizei, zumal weil Parallelüberlieferungen in der einschlägigen Kantonsverwaltung fehlten.

Der Bestand war einfach strukturiert (Serien von Personenakten), erschlossen über eine Namenskartei (ca. 33 lfm.) und hatte einen Umfang von etwa 510 lfm. (20 Tonnen). Das Löschwasser und der Kohlestaub hatten den meisten Schaden verursacht. Archivschachteln zeigten sich resistenter als Bändelmappen, geschlossene Gleitregale schützten das schriftliche Material besser als nicht zugeschlossene Regale. Die Vorbewertung bezog sich vor Ort auf etwa ein Drittel des Gesamtbestands. Normalerweise wurden dazu die letzte Bändelmappe pro Tablar und der letzte Teil pro Gleitregal ausgesondert. Dieses Drittel (ca. 170 lfm.) wurde zunächst in einem Kühlhaus gelagert, danach mit Hilfe einer Gefriertrockenmaschine behandelt.

Nachdem die Dossierordnung wiederhergestellt war (340 Arbeitsstunden), fand die Mikroverfilmung der Dokumente statt, weil ein versuchtes Ionisationsverfahren den Geruch kaum neutralisieren konnte. Der folgende Schritt betraf die definitive Bewertung (bis 1948 vollständige Aufbewahrung, 5%-Sample der Akten ab 1948 und zusätzliche Selektion aufgrund von qualitativen inhaltlichen Kriterien). Faktoren, die das Vorgehen zweifellos begünstigten, waren die Personenkartei (blieb intakt), ein ebenfalls geretteter Altbestand von ca. 40 lfm. und der strukturierte Aufbau der Gesamtserie. Letztendlich wurden 205 Mikrofilmrollen von ca. 33 lfm. Karteikarten und ca. 18 lfm. Akten gemacht.

Die Gesamtkosten für die "Wiederherstellung" der FrePo-Akten betrugen Sfr. 590'000.-, während der Gesamtschaden des Brands sich auf Sfr. 1'328'500,- belief. Der Kostenanteil des Archivs war also erheblich, was den Nutzen präventiver Massnahmen gerade in diesem Bereich auch betriebswirtschaftlich genügend belegt. Die Autorin bestätigt am Schluss, wie wichtig ein Katastrophenplan im Voraus und eine aktuelle Adressliste aller möglichen Beteiligten effektiver Gegenmassnahmen sind.

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