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Rezension Bestandserhaltung 1997-2001

Wolfgang Bender: Kampf dem Papierzerfall? Die Massenentsäuerung von Archivgut als ein Mittel der Bestandserhaltung

Der Archivar. Mitteilungsblatt für deutsches Archivwesen, 54 (2001), Heft 4 (November), S. 297 - 302

Rezensent Peter Toebak

Drei Tatsachen dringen sich in Anbetracht der Massenentsäuerung von Archivgut auf. Der grosse Umfang bedrohter und zerfallener Bestände ab 1850, wodurch die Kosten riesig sind. Endogene Faktoren wegen der Harz-/Alaunleimung, des Lignins als Baustoffs und der Anwendung von Chlor bei der industriellen Anfertigung machen das Problem zu einer "Zeitbombe". Exogene Faktoren, wie Lagerung, Klima und Benutzung, beeinträchtigen unter Umständen nicht spezial diese Archivgattung und sind mittels passiver Konservierung zu neutralisieren.

Verfahren zur Massenentsäuerung dienen der Massenkonservierung noch nicht allzu stark geschädigter Papiere. Laminieren, Papierspaltung und Anfasern helfen, wo das Material bereits zu schwach geworden ist. Der Artikel beschreibt die beiden chemischen Verfahren in Deutschland zur Massenentsäuerung. Das eine Verfahren ist wirtschaftlicher als das zweite, obwohl die Unterschiede in Grenzen bleiben. Sind die Kosten pro Blatt beim Battelle-Verfahren minimal 15 Pfennig, beim Bückeburger-Verfahren handelt es sich um 19 Pfennig, es sei denn dass es auch noch Nebeneingriffe braucht, z.B. im Fall von Schliessen von Rissen, Ausbessern von Rändern, Entmetallisieren sowie Umkopieren von Zinkoxydkopien. Der Preis steigt dann schnell bis zu 70 Pfennig pro Blatt an.

Das Battelle-Verfahren verlängert die Lebensdauer des behandelten Materials mit dem Faktor 3 bis 5 (bestenfalls immerhin einige hundert Jahre), weil es das Papier entsäuert und mit einer alkalischen Reserve puffert. Es eignet sich aber nicht für Papier, dass bei dreifacher Eckfalzung bereits zerbricht. Das Papier wird durch die Behandlung nicht kräftiger. Dazu gibt es nur das 2. Verfahren, wobei auch Nachleimen stattfindet, oder das noch arbeitsintensivere mechanische Papierspalten. Beiden Massenverfahren haften ebenfalls (vertretbare) Risiken und Nebenwirkungen an, z.B. leichtes Ausbluten der Schrifttinten und geringes Vergilben der Schriftträger.

Der Artikel behandelt auch die Alternativen für Massenentsäuerung, die mittlerweile natürlich gleichfalls bekannt sind: Verwendung alterungsbeständiger Papiere für rechtlich oder historisch dauernd aufzubewahrendes Material, Schutzverfilmung, Ersatzverfilmung und (zusätzlich) Digitalisierung. Der Artikel ist eine gut lesbare Zusammenfassung, der Autor stützt sich leider nur auf deutscher Literatur. Auch die Entsäuerungsanlage in Wimmis in der Schweiz bleibt unerwähnt, obwohl das Verfahren hier gerade eine verbesserte Variante des Battelle-Verfahrens aufweist.

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