Dokumenten Management und Archivierung GmbH
Dr. Peter Toebak

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Aktuelle Rezensionen

Rezension Ordnen und Erschliessen 2012-2018

Eese Tömösvári und Cornelia Ripplinger: In Kontext setzen. Bericht zur Basiserschliessung und Restaurierung von Handschriften- und Druckfragmenten an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen

Bibliotheksdienst. Organ der Bibliothek & Information Deutschland (BID), 52 (2018), Heft 5 (Mai), S. 348 - 361

Rezensent Peter Toebak

Im Artikel geht es um die Konservation und Restauration von Papier- und Pergamentfragmenten. Sie wurden klimatisiert, lokal bzw. vollflächig gefeuchtet, geglättet (pressen), Risse wurden geschlossen, Malschichten gefestigt und die Bruchstücke wurden getrocknet. Der Bestand umfasst nicht mehr als wenige Millimeter breite Streifen bis hin zu Grossfolio-Formate. Mechanischer Schaden, Verwellungen, Deformierungen, Faltungen, Abrieb, Einschnitte, Verklebungen, Frassspuren, Schimmelschaden und Tintenfrassschaden kamen alle auf Kosten der Schriften, Initialen und Malereien vor.

Der Arbeitsablauf erfolgte nach einer massnahmenbezogener Sortierung der Fragmente. Die Tiefenerschliessung und die Digitalisierung kommen später, wobei auch die Materialien und angewendeten Techniken erfasst werden. Fürs Erste blieb der bibliothekarische Beschrieb beschränkt (z.B. Signatur, Verweis auf möglichen Trägerband mit Autor und Titel, grobe Datierung und Inhaltsangabe), wobei vor allem auf bereits vorhandene Vorarbeit zurückgefallen wurde. Der Begriff "Kontext" im Artikeltitel zielt insbesondere auf die zu sichernden Provenienzmerkmale der Bruchstücke.

Rezension Bewertung und Kassation 2012-2018

Ute Olliges-Wieczorek: Auf dem Weg zu einer kooperativen Landes- bzw. nationalen Archivbibliothek mit verteilter Bestandshaltung. Aussonderungsstrategien für Universitätsbibliotheken

Bibliotheksdienst. Organ von Bibliothek & Information Deutschland (BID), 51 (2017), Heft 12 (Dezember), S. 1035 - 1051

Rezensent Peter Toebak

Da Bibliotheken sich mehrheitlich nicht mit Unikaten befassen, liegen eine koordinierte Aussonderungsstrategie und ein abgestimmtes Bestandsmanagementkonzept mit "Aufteilung" der physischen Bestände auf der Hand. Insbesondere die Landes- und Universitätsbibliotheken werden angesprochen. Zwar bleiben Spezialakzente und unterschiedliche Nutzungsfrequenzen möglich, doch können ganz generell Mehrfachexemplare, Dubletten, allenfalls auch veraltete Auflagen von Lehrbüchern zeitgerecht entsorgt werden. Die Aufbewahrung von Zeitschriften, Zeitungen, Dissertationen, Amts- und Firmenschriften lässt sich regional genauso beurteilen und durchführen. Effiziente Fernleihe und Dokumentlieferung sind unter allen Umständen zu gewährleisten, solange sie sich nicht wegen des Vorhandenseins von elektronischen/digitalen Kopien erübrigen.

Die Autorin hält grundsätzlich fest: "Oberstes Ziel für eine Aussonderungsstrategie muss es (...) sein, das auszusondern, was bereits heute elektronisch langfristig gesichert zur Verfügung steht. Für die digitale und für die Print-Langzeitarchivierung muss es Lösungen auf Verbundebene oder nationale Lösungen geben. Hier bedarf es der Kooperation zwischen den Bibliotheken" (1043). Sie listet danach folgende Kandidat-Kategorien auf:

  • Zeitschriftenbestand, auch Dubletten von Zeitschriften im Bibliothekssystem;
  • Print-Zeitschriften mit organisatorisch und technisch langzeitgesicherten elektronischen Formaten;
  • Nicht mehr laufende Print-Zeitschriften mit keiner oder geringer Nutzung;
  • Ältere, nicht mehr benutzte Jahrgänge laufender Zeitschriften.

Im Gegensatz zur Aussonderung von Monografien, lässt sich die Aussonderung von Zeitschriften einfach formal vornehmen, also viel weniger arbeitsintensiv und mit grossem Raumgewinn. Auch bezüglich Monografien werden jedoch Vorschläge gemacht, u.a. im Zusammenhang mit Sondersammelgebieten und allenfalls Digitalisierungsprojekten. Die Ergebnisse solcher Initiativen sind auf jeden Fall explizit festzuhalten in den einschlägigen Metadatensätzen bzw. den Bibliothekskatalogen (Nachvollziehbarkeit und Verantwortung).

Dass seitens Öffentlicher Bibliotheken die Aussonderung noch rigoroser ist, wird klar an Hand des Artikels von Klaus Peter Hommes, "Makulierung als Teil des Bestandsmanagements", in: Bibliotheksdienst. Organ von Bibliothek & Information Deutschland (BID), 52 (2018), Heft 1 (Januar), S. 26-33. Für ihn müssen Aussonderung und Erwerbung einander etwa im Gleichgewicht halten. Der Bestand soll vor allem attraktiv, dies heiss aktuell sein.

Rezension Recht 2012-2018

Gabriele Beger: 'Und täglich grüsst das Urheberrecht. Copyright Daily'; weitere Beiträge

Bibliotheksdienst. Organ von Bibliothek & Information Deutschland (BID), 51 (2017), Heft 5 (Mai), S. 393 - 405, 420 - 426; 51 (2017), Heft 7 (Juli), S. 632 - 634

Rezensent Peter Toebak

Die Kontradiktion zwischen Hochschulen und Bibliotheken einerseits und dem Verlagswesen andererseits bleibt in Bezug auf das Urheberrecht vorhanden, denn gleichzeitig konvergieren und divergieren die Interessen. Neben den allgemeinen Interessen von Bildung, Forschung, Lehre und Unterricht sind auch gültige Partikularinteressen betroffen: originäre Rechte (Urheber im engen Sinne, Autoren, Leistungsschutzberechtigte) und abgeleitete Rechte (Verlage). Dazu spielen auch die Verwertungsgesellschaften zur zentralen Abwicklung der Vergütungsansprüche ihre Rolle. Durch die Digitalisierung gehen alte Gleichgewichte verloren, Strukturerhaltung an sich ist jedoch fehl am Platz.

Es ist klar, der Kompromiss muss gefunden werden über Schranken (Erlaubnisregelungen für Teile von Werken, z.B. 10%, 12%, 15% oder sogar 25%, oder auch für Gesamtwerke gegen angemessene Pauschalvergütung auf Basis von Stichproben bzw. repräsentativen Nutzungserhebungen), durch weitgehende Verzicht auf individuelle Lizenzvereinbarungen und Einzelverträge (kein Lizenzvorrang), mittels gesetzlicher Rahmenorganisation, Zweitveröffentlichungsrecht sowie liberaler Regelung für verwaiste Werke, Langzeitaufbewahrung auch lizenzierter Medien, usw. Heutzutage wird übergreifendes Text- und Data Mining ein wichtiges Anliegen. Einfache Benutzung ist unerlässlich, ohne dass kommerzielle Interessen und Verhinderung von illegaler Nutzungen sich jedoch erübrigen.

Mehrere Stellungnahmen werden in Heft 5 und 7 publiziert aus Anlass der Reform des deutschen Urheberrechtsgesetzes. Grundsätzlich wird eine technologieneutrale Ausgestattung angestrebt. „Körperliche“ Werkexemplare und „unkörperliche“, digitale Kopien müssen gleich behandelt werden. Dies manifestiert sich beim Verleihen z.B. wie folgt: „Voraussetzung einer (…) elektronischen ‚Leihe‘ ist, dass das jeweilige E-Book zeitgleich nur von einem Kunden heruntergeladen werden kann, der analoge Leihvorgang also nachgebildet wird. Die E-Book-Datei auf dem Lesegerät des Ausleihenden muss sich nach Ende der Leihdauer automatisch zerstören, und die Rechteinhaber sind angemessen zu entschädigen“ (die Verwertungsgesellschaft erhält für die Autoren eine pauschale Vergütung, wie die Bibliothekstantieme bei der analogen Ausleihe) (404; siehe auch 425-426).

Das Argumentarium der Hochschulen und Bibliotheken ist natürlich stark. Gabriele Beger verweist z.B. auf die Kostenaspekte, solange keine Pauschalregelungen bestehen: „Im Ergebnis steht fest [bei Einzelmeldung und Einzelvergütung jeder Nutzung], dass es aus technischer Sicht keine Probleme gibt, jedoch die Schulung und der administrative Aufwand für 5.000 EUR Urheberrechtsabgabe bei über 15.000 EUR Verwaltungsaufwand liegt“ (421). Zwar macht § 52a des deutschen UrhG sich seit 2003 für den öffentlichen Zugang im Rahmen von Unterricht und Forschung stark. Für Rainer Kuhlen ist die Streit aber noch lange nicht gestritten: „so ist der Weg zu einem zeitgemässen und den Bedürfnissen von Bildung und Wissenschaft entsprechenden Urheberrecht nicht zu Ende“ (633; siehe auch 632). Tageszeitungen und Publikumszeitschriften werden ohne passende Lizenz für Lehre und Forschung weniger nutzbar, Dokumentenversand zu gewerblichen Zwecken bleibt ohne solche völlig verpönt.

Siehe für das vorläufige Endergebnis in Deutschland übersichtsmässig: "Die dbv-Rechtskommission informiert: Die Urheberrechtsreform. Das ändert sich für Bibliotheken zum 1. März 2018", in:  Bibliotheksdienst. Organ von Bibliothek & Information Deutschland (BID), 52 (2018), Heft 3-4 (Marz-April), S. 160-166.

Rezension Bewertung und Kassation 2012-2018

Karina Jaeger und Maria Kobold: Zwischen Datenwust und arbeitsökonomischer Bewertung. Ein Werkstattbericht zum Umgang mit unstrukturierten Dateisammlungen am Beispiel des Bestandes der Odenwaldschule

Archivar. Zeitschrift für Archivwesen, 70 (2017), Heft 3 (Juli), S. 307 - 311

Rezensent Peter Toebak

Die Frage liegt vor: Wie lassen sich unorganisierte Dateiablagen einigermassen effizient und objektiv aufarbeiten? Aspekte wie Übernahme, Sicherung, Aufbereitung und Bewertung kommen sukzessive zur Sprache. Vieles leuchtet ein.

Eher technische Herausforderungen betreffen die unterschiedlichen Datenträger, die Dateipfadlänge, die voreingestellten (individuellen) Berechtigungen, die gegenseitigen Verknüpfungen und eventuelle Viren (insbesondere auch bei den Container-Formaten). Dazu kommt die Entfernung von Programm- und Systemdateien sowie die separate Behandlung von Datenbankdateien und Website-Beständen. Die Bewertung setzt primär auf wichtige Inhaltsthemen, auf tragende Gremien und auf Namen von bekannten Persönlichkeiten. Vor- und Hintergrundwissen sowie Abgleich mit den Papierbeständen sind unentbehrlich.

Vorzugsweise wurde auf höchstmöglicher Ordnerebene vorgegangen und selektiert (deduktiv); eine hohe Übernahmequote und gewisse Redundanz liessen sich nicht vermeiden. Problematisch waren auch die heterogenen Datenstrukturen und die geringe Aussagekraft der Ordner- und Dateinamen. Die Suchfunktion nach Schlagworten und Eigennamen galt als Kontrollmittel und Korrektiv (induktiv). Protokollierung und Auflistung der Gesamtergebnisse tragen zur Qualität des Vorgehens bei.

Auch wenn Tools vorhanden sind (Viewen, Umbenennen von Dateien, Analyse von Dateiablagen, Löschen von Dubletten, usw.), bleibt viel Arbeit händisch zu erledigen. Wegen der Brisanz des Archivbestands (die Schule war lange Zeit „reformpädagogische Vorzeigeanstalt“, trotzdem kam es zum „jahrzehntelangen, systematischen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen“, 307-308) ist es übrigens unverständlich, dass das nicht-archivwürdige Schriftgut nur noch 10 Jahre als „Zwischenarchivgut“ aufbewahrt bleibt. Hier sind 100 Jahre oder sogar 110 Jahre notwendig.

Für weitere nützliche, detaillierte Hinweise aus der Archivpraxis (Prozesse, Formate und Systeme für Bild-, Audio-, Video-, Textdateien, Tabellenkalkulationen, File-Ablagen, Fachverfahren und Datenbanken), siehe auch Uwe Heizmann, „Strategie zur Archivierung digitaler Objekte im Kreisarchiv Reutlingen“, in: Archivar. Zeitschrift für Archivwesen, 70 (2017), Heft 3 (Juli), S. 300-307.