Dokumenten Management und Archivierung GmbH
Dr. Peter Toebak

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Aktuelle Rezensionen

Rezension Bewertung und Kassation 2012-2018

Elke Koch, Kai Naumann, Jochen Rees, Annette Riek, Sabine Schnell und Franz-Josef Ziwes, Bewertungsautomat statt Autopsie. Sind jetzt zehntausend Akten in zehn Sekunden bewertet?

Archivar. Zeitschrift für Archivwesen, 70 (2017), Heft 2 (Mai), S. 173 - 177

Rezensent Peter Toebak

Der Artikel macht klar, dass Fachverfahren mit Massendaten und -akten sich mehr oder weniger stark "automatisch" bewerten lassen. Datenbankgestütztes Filtering setzt auf vordefinierte, anpassbare SQL-Abfragen nach quantitativen und qualitativen Kriterien und richtet sich auf gezielte Selektion von Beteiligten, Verfahrensabläufen, betroffenen Sachgebieten usw. Die archivfachlichen Ausgangspunkte bleiben hierbei aufrecht: besondere, herausragende Ermittlungs- bzw. Strafakten, zeittypische Fälle, Fundgruben für die Rechtssprechung sowie eine möglichst objektivierte Grundmenge an Akten.

Die Nachvollziehbarkeit der Bewertungsentscheide wird über Auszugsprotokolle gewährleistet. Die Abfragevarianten müssen gepflegt werden. Die Behördenrealität bzw. die Realität der Aktenproduzenten ist komplex und entwickelt sich im Laufe der Zeit. Die Auflistung der "Bewertungsprobleme" bei den massenhaft gleichförmigen Fallakten ist interessant genug (176-177). Ohne Monitoring und Wartung der Kriterien geht es also nicht, auch wenn sich neue Modalitäten eröffnen und mehr Effizienz möglich wird. Bei Bedarf bleibt die Autopsie der Datenlisten oder aber der (physischen) Akten möglich bzw. sogar angesagt.

Rezension Mikroverfilmung und elektronische Archivierung 2012-2018

Thomas Mutschler: Neue Wege der Kulturgutdigitalisierung in Thüringen

Bibliotheksdienst. Organ der Bibliothek & Information Deutschland (BID), 51 (2017), Heft 3-4 (März-April), S. 310 - 321

Rezensent Peter Toebak

"(...) die Grenzen zwischen den drei Sparten - Bibliotheken, Archiven und Museen - (...) verwischen (zusehends) und die neuen Technologien (haben) ein ständig wachsendes Mass an Konvergenz zur Folge (...)" (311). Solche Zitate liest man stets wieder. Insbesondere die Digitalisierung wird als Ursache angeführt, während mehrmals auch von gemeinsamem Sammlungsgut die Rede ist, "seien es Akten, Autographen, Druck- und Handschriften, Fotographien, Graphiken, Museumsobjekte, Nachlässe oder auch audiovisuelle Medien und dergleichen mehr" (311). Woraus die Konvergenz dann konkret besteht, bleibt fast immer unbesprochen.

Mutschler lässt uns ebenfalls im Ungewisse. Organisatorische Zusammenarbeit und technische Abstimmung reichen auf jeden Fall nicht aus. Es gibt eigene Methoden, welche dem inhärenten Unterschied zwischen den Sparten entsprechen. Konvergieren kann letztendlich nur die Umfassung aller Gesichtspunkte heissen. Diese bleiben im hiesigen Beispiel jedoch ausser Betracht, welche Bemerkung den Nutzen einer Kooperation der Sparten nicht schmälert, sondern in die richtige Perspektive stellt.

Rezension Bewertung und Kassation 2012-2018

Brigitta Nimz, Sammlungsqualifizierung im Staatsarchiv Bremen

Archivar. Zeitschrift für Archivwesen, 70 (2017), Heft 1 (Februar), S. 41 - 47

Rezensent Peter Toebak

Im ersten Teil des Artikels hält die Autorin manche interessante Sicht von Archivtheoretikern fest. Adolf Brenneke fand Sammlungsschriftgut für Archive z.B. relevant, weil es ergänzend und erschliessend wirken konnte. Museen und Bibliotheken sind hier mit ihren enzyklopädisch angelegten Kollektionen grosszügiger. Es ging um "rasch vergängliche Gegenwartsstoffe, die sich schon wenige Jahre nach ihrem Erscheinen dem Zugriff des Sammlers entziehen und die doch, weniger durch den meist geringen Eigenwert des einzelnen Stückes als durch den typischen Wert, den sie als Masse gewinnen, Ausdruck geistiger, sozialer und wirtschaftlicher Strömungen werden können" (42).

Beim Sammlungsgut ergibt sich, nach Gerhard Schmid, "der Quellenwert nicht aus der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Provenienz, d.h. einer bedeutenden Person oder Institution (...), sondern aus ihrem sachlichen Inhalt oder [durch] die spezielle Art und Form" (42). Lange wurden Sammlungen nur als "geduldete Fremdkörper am organisch gewachsenen Leibe des Archivs" betrachtet, so von Helmuth Rogge (43).

Die Autorin vertritt eine positivere Sicht. Im zweiten Teil des Artikels wird betont, wie die frühere Dreiteilung von Beständen amtlicher Herkunft, Beständen nichtamtlicher Herkunft und Sammlungen zu einer Zweiteilung amtlicher und nichtamtlicher Überlieferung geworden ist. Dies bedeutet eine Aufwertung der zeitgeschichtlichen Dokumentation. Vermischung darf nicht stattfinden. Im Gegensatz zum Archivgut von Personen, Vereinen, Verbänden usw. fehlt beim Sammlungsgut die organisatorische Provenienz als Abgrenzungs- und Ordnungsmerkmal. Vielmehr herrschen einseitig Themen, Orte, Ereignisse, bisweilen auch Herstellerprovenienzen vor.

Nimz schlägt trotzdem einen sparsamen Umgang mit den Archivressourcen vor. Sprengelbezug, Informationswert, Schwerpunktsetzung und Profilkontinuität bleiben richtungsweisend für die Sammlung von Plakaten, Flugschriften, Flyern, Broschüren, Zeitungsauschnitten usw.