Dokumenten Management und Archivierung GmbH
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Rezension Mikroverfilmung und elektronische Archivierung 2007-2011

Reinhard Altenhöner: Kopal. Ein kooperatives Archivsystem für die Langzeitarchivierung digitaler Objekte

Der Archivar. Mitteilungsblatt für deutsches Archivwesen, 60 (2007), Heft 4 (November), S. 307 - 313

Rezensent Peter Toebak

Der Aufmarsch von digitalen und digitalisierten Informationsobjekten ist unaufhaltsam: Textdokumente zur Kommunikation und Dokumentation, strukturierte Datenbestände, Publikationen auf dem Internet, Bilder und Digitalisate manifestieren sich immer stärker und umfangreicher. Ein wirtschaftliches und nachvollziehbares Vorgehen zur Langzeitbenutzung und -erhaltung muss gefunden werden. Zunächst werden einige Basisansätze auf die Reihe gebracht, dann tritt das Projekt "kopal" in den Vordergrund. Die Deutsche Nationalbibliothek kennt folgende Grundregeln (Basisansätze) in Bezug auf die Langzeiterhaltung digitaler Objekte (308-309):

  • Die Objekte werden im ursprünglichen Format erhalten, periodisch überführt auf neue Datenträger und regelmässig überprüft auf Integrität und Lesbarkeit ("bitstream preservation"); Migrationen und Konversionen können notwendig sein, müssen jedoch "engmaschig" festgehalten werden. Das Ausgangsformat sei physisch verlässlich zu erhalten; Zwischenstufen von Migrationen können fortschreitend und kontrolliert vernichtet werden, solange keine Risiken vorliegen. "Das Ausgangsobjekt sowie die zuletzt migrierte Version werden immer aufgehoben" (309);

  • Die ursprüngliche technische Umgebung (Hardware, Software, Netzwerk, Konfiguration) wird dokumentiert, damit unter allen Umständen "eine geeignete Anzeigeumgebung" für die Informationsobjekte herstellbar ist; Das originale "Look & Feel" der digitalen Objekte hat grosses Gewicht, doch wird es "mit Blick auf textliche Objekte" unvermeidlich sein, dem "Prinzip der Informationsbewahrung" die erste Priorität zu verleihen (308-309);

  • Primärdaten (Informationsobjekte) und Metadaten im weitesten Sinne werden bestenfalls getrennt verwaltet, damit "gezielt Informationen zu Objekten abgefragt, ausgewertet und in Strategien zur Langzeitarchivierung umgesetzt werden" können (308);

  • Archivsysteme müssen nicht viele "parallele Zugriffe" (gemeint ist auf Objektebene) meistern können; die Funktionalitätenauswahl kann darum relativ bescheiden bleiben. Die "technische Leistungskapazität" soll jedoch "die Verwaltung und Bereitstellung einer grossen Zahl von verschiedenen Objekten" ermöglichen (308). Offen definierte Austausch- und Archivformate, Schnittstellen und Austauschprotokolle gestatten die höchst mögliche Transparenz und Interoperabilität in und zwischen den Hard- und Software-Systemen in Zeit und Raum;

  • Kopierschutzmassnahmen sind hinderlich, kostbar, sogar prohibitiv für die Langzeitverfügbarkeit. Sie müssen vor der Ablage darum (kontrolliert) entfernt werden;

  • Es wird keine der beiden Basismethoden der Langzeitaufbewahrung vorgezogen. Sowohl Migration als Emulation sollen möglich bleiben. "Gegenstand der Migration ist die rechtzeitige Konversion alter Dateiformate in ein aktuell nutzbares Format. Bei der Emulation hingegen wird mit einem oder ggf. mehreren speziellen Programmen (dem Emulator) eine alte Systemumgebung, die zur Zeit der Entstehung des jeweiligen Formates üblich war, in einer aktuellen Systemumgebung nachgebildet" (309).

Bei der konkreten Umsetzung des Projekts stellte sich heraus, wie wichtig die automatisierte Aufbereitung und Dokumentation von Objekten über Software-Tools ist: "Einen besonderen Schwerpunkt bildet hier die Validierung der Formate eingelieferter Objekte, weil über die Dateiextension oder über Angaben der Ablieferer häufig falsche oder unvollständige Angaben vorliegen" (311). Je mehr Formate übernommen werden (mit den technischen Profilen), umso stärker muss das Tool sein, "mit deren Hilfe Metadaten automatisch extrahiert werden" können (311). Metadatenformate wie METS (Metadata Encoding and Transmission Standard) und LMER (Langzeitarchivierungsmetadaten für elektronische Ressourcen) sowie ein internationales Formatregister spielen eine zunehmend wichtige Rolle. Der Artikel endet mit einem Hinweis auf die Entwicklung einer "Gridifizierung" von Diensten im Bereich Langzeitarchivierung. Eine Palette von Services dient sich möglicherweise an: Grundschicht für die physische Erhaltung, Schicht für die Migration und/oder Emulation, Schicht für die Verfügbarstellung der Objekte und eine oberste Schicht zur Einbindung der verfügbaren Angebote in eine Gesamtübersicht. Die Gedanke ist interessant, geht aber implizit davon aus, dass die langfristige Aufbewahrung und Verfügbarstellung digitaler Informationsobjekte auch in späteren Epochen noch die Ausnahmeleistung bilden werden.

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