Dokumenten Management und Archivierung GmbH
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Rezension Mikroverfilmung und elektronische Archivierung 2007-2011

Stefan Wolf, Werner Schweibenz und Christof Mainberger: Langzeitarchivierung am Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg. Konzept, Aktivitäten und Perspektiven

Bibliotheksdienst. Organ der Bundesvereinigung deutscher Bibliotheksverbände (BDB), 43 (2009), Heft 3 (März), S. 294 - 304

Rezensent Peter Toebak

Der Artikel listet die digitalen Objektgattungen auf, die sich in Bibliotheken, Archiven, Museen und Bildungsinstitutionen befinden. Insbesondere die Bibliotheken werden herausgestrichen. Sie enthalten Digitalisate konventioneller Bestände, Hochschulschriften (mit als spezieller Gattung Dissertationen), Pflichtexemplare (Online-Publikationen, Webseiten, kommerzielle Publikationen und amtliche Publikationen), elektronische Zeitschriften, Monografien, Sammlungen und E-Books, Sondermaterialien (Musiktonträger, Bilder, Datenträger usw.). Archive besitzen Webseiten amtlicher Herkunft und elektronische Unterlagen. Museen haben Ausstellungsobjekte (z.B. Künstlervideos), Fotografien, Dokumentationen im Rahmen von Veranstaltungen, Restaurierungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Hochschulen verfügen über Forschungsdaten, Lehr- und Lernmaterialien, digitale Geschäftsdaten und -unterlagen. Natürlich sind Überlappungen ersichtlich, sondern auch grundsätzliche Unterschiede können beobachtet werden: nicht so sehr angesichts der physischen Ausprägung, wohl jedoch angesichts der logischen, organisatorischen und juristischen Aspekte. Dies war im herkömmlichen Umfeld nie anders. Betriebsexterne und betriebsinterne Informationen liessen sich auch vorher erblicken.

In Bezug auf die Lebenszyklus-Verwaltung eines physischen Objekts schlagen zunächst die Formate, Objektstrukturen, persistenten IDs und Metadaten zu Buche. Hier geht es um wesentliche Elemente zur langfristigen Aufbewahrung und Verfügbarstelung. Standardisierung und möglichst auch Vereinfachung sind unerlässlich. Technisch deuten vor allem die Web-Content-Management-Systeme Probleme an. Es sollte versucht werden, die Webseiten ohne die Software in Zeitschnitten zu sichern. Offenbar wird die Migration über die Emulation vorgezogen, was sich im Bereich der strukturierten Forschungsdaten bald einmal ändern könnte: "Die Verfahren der Emulation werden in diesem Kontext vermutlich eine weit grössere Rolle spielen, als es z.B. im Bibliothekskontext abzusehen ist, wo Formatmigration bislang als erstes Mittel der Wahl gilt" (300). Gerade dies scheint mir übrigens im Gegensatz zu den Möglichkeiten der Konsolidierung in Datawarehouses. Die juristischen Aspekte betreffen solche unterschiedliche Aspekte als Urheberrecht, Pflichtexemplarrecht, Datenschutz und natürlich Rechts- und Revisionssicherheit. Gerade hier differenzieren die Objektgattungen sich manchmal ganz stark.

Das Bibliotheksservice-Zentrum nutzt als Rechenzentrum vorhandene Bausteine sowie Werkzeuge. Es will keine Eigenentwicklungen, dafür Kooperationen, Aufgabenverteilungen und verteilte Verantwortlichkeiten fördern. Folgender Satz darf nicht vergessen werden: "Nach allgemeiner Erfahrung sinkt der Anteil der Speicherplatzkosten für Hard- und Software an den Gesamtkosten der Langzeitarchivierung laufend, doch steigt der Anteil der Betreuungs- und Betriebskosten" (302). Ein Verhältnis von 1 zu 5-7 wird in der Fachliteratur genannt. Host-Lösungen bringen für kleinere Datenproduzenten eine mögliche Lösung, "dunkle Archive" tun das Gleiche für die rechtzeitige Sicherung von noch kommerziell zu verwertenden Daten.

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